Leitgedanken Wirtschaft

Aufgaben wirtschaftlicher Bildung

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Angesichts der wachsenden Bedeutung und zunehmenden Komplexität wirtschaftlicher Strukturen und Prozesse ist eine fundierte ökonomische Bildung Grundvoraussetzung zur Bewältigung privater, beruflicher und gesellschaftlicher Lebenssituationen und zum Verständnis der Interdependenzen zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Ökonomische Bildung als Allgemeinbildung verstanden ermöglicht Kindern und Jugendlichen, die wirtschaftlichen Bedingungen ihres Lebens zu reflektieren. Damit leistet ökonomische Bildung einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des mündigen Bürgers, der in der Lage ist, die wirtschaftlichen Zusammenhänge seines Lebens zu verstehen, sachgerechte Entscheidungen zu fällen und verantwortungsvoll als Wirtschaftsbürger in der Demokratie zu handeln.

Didaktische Prinzipien

Die wirtschaftlichen Zusammenhänge unseres Lebens lassen sich in ihren vielfältigen Erscheinungsformen, prozessualen Abläufen und diffusen Wirkungen nicht als Ganzes vermitteln. Zur Strukturierung und Systematisierung wirtschaftlicher Bildung bietet sich die Einteilung in Sektoren an (Haushalte, Unternehmen, Staat, Ausland). Im Sinne der Lernprogression ist vom Sektor Haushalt in Klasse 6 auszugehen, in welchem der Konsument im Mittelpunkt steht; in Klasse 8 liegt der Akzent auf dem Sektor Unternehmen, und am Ende der Klasse 10 liegt der Schwerpunkt auf der Behandlung der Sektoren Staat und Ausland. Die Vermittlung ökonomischen Denkens und Handelns der Wirtschaftssubjekte soll sich dabei nicht nur abstrakt modellhaft auf die Wirtschaftssektoren Haushalt, Unternehmen, Staat und Ausland beziehen, sondern soll jeweils die konkreten Bezüge zur sozialen Marktwirtschaft aufgreifen. Im Mittelpunkt des Kompetenzerwerbs steht die zunehmende Fähigkeit zu systemischer Betrachtung einzelwirtschaftlicher und gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge. Damit verbunden ist die Fähigkeit und Bereitschaft, die ökonomische Wirklichkeit dynamisch, vernetzt, funktional und interessegeleitet zu verstehen. Lernprozesse sind so zu organisieren, dass die Inhalte ökonomischer Bildung in der Kombination von begrifflich-sachlicher Systematisierung, handlungs- und problemorientiertem Lernen und kritisch konstruktiver Reflexion vermittelt werden. Der Unterricht soll sich an komplexen, lebens- und berufsnahen, ganzheitlich zu betrachtenden Problembereichen orientieren. Weil ökonomisches Wissen häufig direkte Bezüge zur Lebenswelt hat, ist die Öffnung des Unterrichts im Sinne des handlungsorientierten Unterrichts bzw. der Realbegegnung wünschenswert. In diesem Sinne sind Praktika in Betrieben (auch im Rahmen der Berufsorientierung) bzw. Betriebserkundungen, Projekte und Planspiele Bestandteile des Unterrichts. Da wirtschaftliches Handeln häufig einen direkten Bezug zum Alltag hat, orientiert sich der Wirtschaftskundeunterricht an den Lebenserfahrungen von Schülerinnen und Schülern. Auf allen Klassenstufen soll von Alltagserfahrungen der Schülerinnen und Schüler ausgegangen werden und es sollen die wirtschaftlichen Zusammenhänge ihres Handelns im Alltag bewusst gemacht werden.

Kernfach Wirtschaft

Für den Kompetenzerwerb im Kernfach Wirtschaft bis zum Abitur ergeben sich folgende didaktisch-methodische Grundsätze: Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, komplexe volkswirtschaftliche und grundlegende betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu erfassen sowie zu aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Fragestellungen auf einer über die Klasse 10 hinausgehenden Kenntnis- und Abstraktionsebene Stellung zu beziehen. Damit werden sie befähigt, sich mit den ökonomischen Existenzbedingungen und deren sozialen, politischen, rechtlichen, ökologischen, technischen und ethischen Dimensionen auf privater, betrieblicher, volkswirtschaftlicher und weltwirtschaftlicher Ebene auseinander zu setzen. Durch die Verknüpfung ökonomischer, politischer, sozialer und rechtlicher Aspekte werden höhere Anforderungen an multiperspektivische Betrachtung und vernetztes Denken gestellt, d. h. Sachverhalte sind in ihren interdependenten Zusammenhängen zu erkennen und zu beurteilen. Die Schülerinnen und Schüler lernen ökonomische Denkansätze kennen. Sie erlangen Grundkenntnisse in der ökonomischen Theoriebildung und in wissenschaftlichen Arbeitstechniken. Insbesondere werden Fähigkeiten der Interpretation, Beurteilung und Erstellung von Modellen entwickelt sowie Kompetenzen gefördert, komplexe wirtschaftliche Sachverhalte in Simulationen zu analysieren und zu beurteilen. Handlungsorientierung bzw. Projekte sowie die sich daraus ergebende Öffnung des Unterrichts für außerschulische Lernorte sind feste Bestandteile des Unterrichts im Kernfach Wirtschaft. Damit erlangen die Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit, Prozesse eigenverantwortlich, zielorientiert und selbstständig im Sinne des Projektmanagements zu planen und zu gestalten. Die für wirtschaftliches Handeln in einer Demokratie unabdingbaren Kommunikations- und Präsentationskompetenzen (schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit, Beherrschung von Visualisierungstechniken, Urteilsfähigkeit, rhetorische Fähigkeiten) sowie Verhandlungs-, Konflikt- und Kooperationsfähigkeiten werden auch im Kontext der Berufswahl entwickelt. Die intensive Beschäftigung mit wirtschaftlichen Themen im Kernfach fördert die Entscheidungskompetenzen hinsichtlich der beruflichen und privaten Lebensplanung.

(Quelle: http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/wirtschaft/gym/fb1_2/02_plan/leit/)

 

Bundespräsident Joachim Gauck zum Thema ökonomische Bildung

Auszug aus der Eröffnungsrede des 20. Deutschen Bankentages 2014 von Bundespräsident Joachim Gauck vom 09. April 2014 in Berlin (…)

Joachim Gauck

Zum informierten Bürger gehört doch eigentlich eine ökonomische Grundbildung. Studien belegen, dass viele Deutsche hier Nachholbedarf haben. Ich weiß, dass einiges getan wird, um ökonomisches Wissen kreativ zu vermitteln. Da gibt es Beispiele, bei denen junge Menschen in der Schule schon eigene Firmen gründen oder an der Börse handeln. Sie lernen dabei wie Unternehmer zu agieren, von der Produktentwicklung bis hin zu Marketing und Vertrieb. Auch der Bankenverband leistet auf diesem Gebiet einen guten Beitrag. Trotzdem, ich frage mich: Wird die ökonomische Bildung in unseren Schulen und Berufsschulen ausreichend berücksichtigt? Hat das Wissen über ökonomische Zusammenhänge den gleichen Rang, den die Ökonomie heute für unser Leben und Wirtschaften hat? Das ist nicht nur wichtig, damit der Einzelne gute Entscheidungen für sich selbst treffen kann. Wie durch politische Bildung Urteilsfähigkeit und Engagement junger Mitbürger gefördert werden kann, so ist auch die Fähigkeit wichtig, wirtschaftspolitische Debatten zu verfolgen, sich dort ein eigenes Urteil zu bilden und sich selbst an den Debatten zu beteiligen. Das gehört elementar zur Demokratie. Deren Schlüsselfigur ist doch der vielzitierte "mündige Bürger". Und der ist auch gefragt, wenn es um die Gestaltung unserer Wirtschaftsordnung geht. Nicht nur politische, auch ökonomische Apathie und Unwissenheit sind gefährlich. Wie wichtig die Fähigkeit zum öffentlichen Gespräch über wirtschaftliche Fragen ist, das zeigt sich gerade dann, wenn es darum geht, die Konsequenzen aus der Krise zu ziehen. Also: welche Regeln brauchen Banken, welche Grenzen die Märkte? Welche Rolle spielt die Geldpolitik, welche Macht darf sie ausüben? Und wie finden wir den Weg aus der hohen Staatsverschuldung? Dabei reicht es nicht aus, individuelles und unternehmerisches Handeln in den Blick zu nehmen und nur auf die Veränderung von Mentalitäten und Geschäftsmodellen zu setzen. Das alles ist richtig. Aber es war auch die staatliche Rahmenordnung, die Fehlverhalten ermöglicht und oft auch begünstigt hat. Und damit bin ich beim dritten und letzten Punkt. Seit dem G20-Gipfel vor fünf Jahren in Washington wird daran gearbeitet, Banken stärker in Haftung zu nehmen und Regeln zu setzen, um Krisen weniger wahrscheinlich zu machen. Wir Europäer schaffen mit der Bankenunion eine einheitliche Aufsicht im Euroraum und neue Verfahren, um Eigner und Gläubiger in Haftung zu nehmen, wenn Banken ins Schlingern geraten. Damit kann es uns in Europa gelingen, Marktwirtschaft und Währungsunion zu stärken. Es würde uns guttun, wenn solche wichtigen Fragen nicht allein von Fachpolitikern und Experten diskutiert würden, sondern stärker als bisher auch von Bürgern und Medien. Denn es wird weiter um das Ausmaß der Regulierung gerungen werden, gerungen werden müssen. Wir müssen uns fragen: Wurde wirklich schon genug getan, um das Finanzsystem krisenfester zu machen und Exzesse zu vermeiden? Oder geht manche Regel gerade für kleine Banken, die nicht "systemrelevant" sind und mit anderen Banken verflochten sind, vielleicht schon zu weit? Dazu kann es durchaus unterschiedliche Antworten geben. Eine, die mir persönlich sehr sympathisch ist, stammt von Karl Popper, dem Begründer des Kritischen Rationalismus. Er hat einmal gefordert, den freien Markt nicht als "ideologisches Prinzip" zu betrachten, sondern einfach als eine Ordnung, die davon lebt, dass die Freiheit nur dort zu beschränken ist, wo es aus wichtigen Gründen notwendig ist. Er war sich bewusst, dass oftmals umstritten sein wird, wo genau die Grenze des Notwendigen verläuft. Das wird auch so bleiben. Diese Grenze in kluger und verantwortungsvoller Weise zu ziehen, das ist Aufgabe der Politik. Sie gibt den Rahmen vor. Mindestens genauso wichtig ist es dann aber, wie Banken und Bürger diesen Rahmen füllen. Lassen Sie uns also weiter diskutieren, wie verantwortungsvolles Handeln von Banken und Bürgern zu stärken wäre. Lassen Sie uns über notwendige Grenzen und die Grenze des Notwendigen auf den Finanzmärkten diskutieren! In diesem Sinne also: Lassen Sie uns über Geld reden.

(Quelle:http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2014/04/140409-Bankentag-Eroeffnung.html|Download v. 15.05.2014)

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