Sprachenwahl Latein

I. Nutzen

Während der Entscheidungsphase, welche 2. Fremdsprache ein Kind am Gymnasium erlernen soll, spielt sicher die Frage
nach dem NUTZEN des Latein-Lernens eine große Rolle. Folgende Punkte können dabei eine Entscheidung zugunsten des Latein fördern:

  • Man spart u.U. viel Zeit im Studium.
  • Man schult sich in der Muttersprache und vergrößert seinen aktiven Wortschatz.
  • Man lernt andere Fremdsprachen leichter, denn man lernt, wie Sprache überhaupt funktioniert.
  • Man ist ständig zu analysierendem und problemlösenden Denken und Beobachten angehalten.
  • Man übt die so genannten Sekundärtugenden, also Ordnung, Ausdauer, Disziplin und planvolles Arbeiten.

II. Sinn

In Ergänzung zur Frage nach dem konkreten Nutzen lassen sich auch einige Aspekte anführen, die sich mit dem SINN des Latein-Lernens befassen:

  • Man begegnet im Latein einer fremdem und doch verwandten Welt, die Grundlage unserer eigenen (nicht nur sprachlichen) Existenz ist.
  • Diese fremde und doch verwandte Welt bringt uns unseren geschichtlichen und kulturellen Wurzeln näher. Latein ist also hilfreich für die Identitätsbildung auch und gerade junger Menschen. In dem Alter, in dem die 2. Fremdsprache am Gymnasium einsetzt, beginnen junge Menschen erste Fragen nach dem »Woher?« und »Wohin?« ihrer Person zu stellen.
  • Wir lernen deshalb unsere eigene Existenz besser zu verstehen, weil wir zu ständigem Vergleichen zwischen unserer und der antiken Welt gebracht werden.
  • Und last but not least bildet die Welt der Antike, weil sie klar und in sich abgeschlossen ist, ein wertvolles Gegengewicht zur Flüchtigkeit unserer eigenen Zeit. Latein bietet also Halt und Orientierung.

III. Unterschiedliche Schwerpunkte

Der besseren Übersichtlichkeit halber sind in der folgenden Tabelle die unterschiedlichen Schwerpunkte einander gegenüber gestellt, die der moderne Fremdsprachenunterricht und der Latein-Unterricht setzen:

Schwerpunkte in den modernen Fremdsprachen Schwerpunkte im Fach Latein
Kommunikation durch Sprache (man spricht die Fremdsprache) Reflexion über Sprache (man denkt über Sprache nach und lernt mit ihr methodisch sinnvoll umzugehen.)
(eher) Gebrauchstexte (eher) literarische Texte im Zentrum des Unterrichtsgeschehens
stärker an der Gegenwart orientierte Thematik (eher) historische Perspektive
Vertrautheit mit den auftretenden Situationen Verfremdung durch zeitliche bzw. kulturelle Distanz
Hauptaugenmerk liegt auf der Anwendung. Hauptaugenmerk auf Erkenntnis gerichtet.
Leseverständnis (durch häufig kursorisches Lesen) Reflexion über den Text (durch „mikroskopisches“ Lesen)
Einsprachigkeit Betonung der Kontraste durch Schwerpunkt Übersetzen (mit positiver Rückwirkung auf die Kompetenz in der Muttersprache)
Imitation, Generierung und produktive Montage von Sprachmustern (= Nachahmung, Bildung und schöpferisches Zusammenfügen) Dekodierung von komplexen Satzmustern (= Entschlüsselung von Satzmustern mit vielfältigen inneren und äußeren Beziehungen)
schrittweiser Erwerb praktischer Sprachkompetenz schrittweiser Erwerb von Grundqualifikationen im Umgang mit Sprache(n) generell

IV. Der "Latein-Typ"

Abschließend noch einige Bemerkungen zur Frage, welcher Schüler vielleicht eher als der »Latein-Typ« bezeichnet werden kann:

Der »LATEIN-TYP«

  • ... will etwas selbständig herausbringen.
  • ... nimmt sich die nötige Zeit dafür.
  • ... beobachtet sorgfältig, genau, geduldig, konzentriert.
  • ... kann / will zuerst nachdenken, dann reden.
  • ... weiß bereits aus anderen Fächern (z.B. der Mathematik!),dass Zähigkeit und Fleiß zum Erfolg führen.

ER HAT FREUDE AN DIESEN TÄTIGKEITEN.

2011 Arnulf Braun (Fachbeauftragter für das Fach Latein am ASG Neckarsulm)