Ethik

Das Fach Ethik

Am ASG befinden wir uns in der komfortablen Situation, Ethik durchgehend ab Klasse 5 anbieten zu können. Das Spektrum des Faches ist dabei riesengroß: Geht es in Klasse 5 vor allem um das Einfinden in die neue Schulform, die Integration in neue Gruppen und das Kennenlernen unseres Namensgebers Albert Schweitzer, spielen in der Mittelstufe konkrete Fragen praktischer Lebensführung eine große Rolle: Welchen Effekt hat die Mediennutzung auf unser Miteinander? Wie können wir verantwortungsbewusst konsumieren? Welchen Formen von Gewalt sind wir ausgesetzt und wie können wir diesen begegnen? In der Oberstufe (ab Klasse 10) geht es schließlich um die philosophische Reflexion unseres Handelns. Dafür werden die großen Ethiker der Geschichte, von Aristoteles über Kant bis zu den modernen Utilitaristen und Verantwortungsethikern gelesen und diskutiert. Insgesamt lassen sich die Kernthemen des Ethikunterrichts in die von Kant für die Philosophie gestellten folgenden vier Fragen einordnen:

Was soll ich tun?

Das ist die Kernfrage der Ethik. Schon in Klasse 5 behandeln wir zentrale moralische Begriffe und fragen konkret, was es heißt, im Alltag moralisch zu agieren. Wie reagiere ich, wenn ich Ungerechtigkeiten oder Gewalt wahrnehme? Welche Rolle spielen Schulordnung und ASG-Baum? Wie verhalte ich mich gegenüber dem Fremden? In der Mittelstufe kommen weitere Fragen hinzu, beispielsweise: Wie sieht unser Verhältnis zu Natur aus und was lässt sich daran verbessern? Welche Gerechtigkeitsvorstellungen gibt es und welchen Beitrag kann ich zu einer gerechten Gesellschaft leisten? Wie begegne ich der Gewalt? In der Oberstufe wird die Sollensfrage philosophisch reflektiert: Wie lässt sich eine bestimmte Moralvorstellung widerspruchsfrei begründen? Welche Herausforderungen stellen sich dem moralischen Handeln durch die Ökonomisierung aller Lebensbereiche und die wissenschaftlichen Umbrüche (Humangenetik etc.). Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler dahin kommen, sich über die Grundlagen ihres eigenen Handelns Klarheit zu verschaffen und selbstbestimmt und reflektiert in der Gesellschaft agieren zu können.

Was darf ich hoffen?

Mit dieser Frage hat Kant die Religionen angesprochen, die uns Hoffnung auf Gerechtigkeit in der Transzendenz geben. Religion spielt im Ethikunterricht eine große Rolle, allerdings versuchen wir, verschiedene Religionen aus dem neutralen Standpunkt einer unvoreingenommenen Vernunft zu erfassen und zu verstehen. Dazu werden die wichtigsten Religionen ab Klasse 8 behandelt, jeweils eine Religion ausführlich pro Schuljahr. Beispielsweise werden folgende Fragen behandelt: Was ist ihre Geschichte? Wie sieht der Alltag der Glaubenden aus? Was sind die wichtigsten Glaubensinhalte? Welche Rituale und Feste gibt es und welche Funktionen haben diese? Wie ist das Verhältnis der Religionen zueinander und wie lässt es sich ggf. verbessern? In der Kursstufe wird die Frage nach dem Status der Religion in der modernen Welt aufgeworfen, es wird das Verhältnis von religiöser Erfahrung zu anderen Erfahrungsformen (also etwa der Naturwissenschaft) untersucht und zentrale Positionen der Religionsphilosophie werden behandelt.

Was ist der Mensch?

Auch das ist eine Kernfrage des Ethikunterrichts, die ab der Mittelstufe, vor allem aber in der Kursstufe eine Rolle spielt. Sind wir Menschen in unseren Entscheidungen frei oder sind wir neuronal oder durch äußere Einflüsse bestimmt? Welche Folgen ergeben sich aus den unterschiedlichen Antworten auf diese Frage? Wann beginnt menschliches Leben und wie soll es enden? Was passiert, menschliches Leben durch technische Manipulationen immer künstlicher wird? Was macht den Menschen aus im Unterschied zu Pflanzen, Tieren und Göttern und welche Verantwortungen folgen aus seiner Rolle im Universum?

Was kann ich wissen?

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ – in Klasse 10 lernen die Schülerinnen und Schüler die Person des Sokrates kennen, der diesen Ausspruch geprägt hat, als Aufforderung, seine eigenen Vormeinungen immer wieder kritisch zu hinterfragen und nie zu glauben, man habe etwas letztgültig verstanden. Die erklärte Bescheidenheit, was Möglichkeiten der Welterkenntnis angeht, wird fortan immer eine Rolle im Ethikunterricht spielen. So werden in der Kursstufe das moralische, das religiöse und das wissenschaftliche Wissen einer genauen Prüfung unterzogen.

Dr. Pit Kapetanovic