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BIOLANDWIRTSCHAFT

PUBLISHED 08 Nov 2017 CATEGORY
MODIFIED Last modified on Wednesday, 08 November 2017 14:31

AM BEISPIEL BIOHOF SCHÄFER

Exkursion des Erdkundekurses ek4 (Weik) Albert-Schweitzer-Gymnasium Neckarsulm am 28.09.2017

Ob aus moralischen Gründen oder purem Hype, die Menschen neigen immer mehr dazu ihr Kaufverhalten grundlegend zu verändern. Das Modell des verantwortungsvollen Konsumierens wirkt sich auf den Lebensmittelmarkt aus, auf dem sich Bioprodukte zwischenzeitlich etabliert haben. Ein Paradebeispiel für einen Produzenten solcher Bioprodukte, durch das Betreiben biologischer Landwirtschaft, ist der Biohof Schäfer in Gundelsheim auf dem Michaelsberg. Im Jahr 2000 stellte dieser sein Konzept um, sodass alle Produkte ein Bio-Siegel erhielten und sowohl der Hofladen, das Restaurant, als auch die Metzgerei Bio-zertifiziert wurden.
Mit 155 Hektar Fläche, ist der Hof relativ gesehen, ein eher kleiner Betrieb. Umso achtsamer werden die 15 Hektar Ackerbau und die restlichen Grünland- und Weideflächen behandelt. Ein großer Bereich des Betriebes gilt dem Züchten sogenannter Mutterkühe von Angusrindern. Meist leben bis zu 100 Stück mit deren Nachzucht auf dem Hof. Die Tiere sind genetisch hornlos (anderenfalls wäre es für den Erhalt des Bio-Zertifikats verboten die Hörner zu entfernen) und waren vor einigen Jahren noch eine Seltenheit. Seit 1986, als der Betrieb in der dritten Generation neu übernommen wurde, werden die Tiere gezüchtet und direkt verkauft. Die anfänglich noch kleine Herde aus 15 Kühen traf auf eine große Nachfrage. Aus diesem Grund wurde 1995 ein neuer Stall für die Mutterkühe gebaut.
Dort werden die Kälber nach 8-10 Monaten von der Mutter getrennt. Sogenannte Fangfressgitter werden benutzt, um die Kühe am Davonlaufen zu hindern, wenn zum Beispiel die jährliche Blutuntersuchung oder sonstige gesundheitliche Kontrollen stattfinden. Die Ackererzeugnisse des Hofes werden direkt zu Futter verarbeitet. Demnach fressen die Kühe ausschließlich Gras, Heu und Getreideschrot. Sämtliches dazu gekauftes Futter muss ebenfalls biozertifiziert sein. Die Tiere leben bis zu 15 Jahren, was im Vergleich zu den 4-5 Lebensjahren konventioneller Tiere sehr viel ist. Zur Zucht und zum Verkauf der Biotiere musste schon vor dem Einkauf der ersten Generation Kühe darauf geachtet werden, dass diese aus biologischer Zucht stammen. Ein Jährling aus der Biozucht kostet dabei bis zu 900€, wobei der Preis stark vom Angebot abhängig ist. Bei einzelnen Krankheitsfällen (z.B. einer Lungenentzündung) wird Antibiotika verabreicht, wobei im Biobereich doppelt so lange gewartet werden muss, bis das Tier wieder verkauft oder geschlachtet werden darf. Im Stall hat eine Kuh bis zu 12 Quadratmeter Platz und bekommt jeden Tag Auslauf außerhalb des Stalls. Eine Mindestfläche der Weiden muss dabei nicht gewährleistet sein. Besonders im Sommer sind die Tiere viel draußen. Ab Oktober bis Mitte April sind sie die meiste Zeit über im Stall.
Der Deckbulle in der Herde sorgt für stetigen Nachwuchs. Die Muttertiere haben einen starken Mutterinstinkt.
Die Nähe zum Tier spielt eine besondere Rolle auf dem Hof Schäfer. Zwar kennt der Landwirt nicht jedes einzelne seiner Tiere mit Namen, sicher ist jedoch, dass sie seine Autorität wahrnehmen. Denn seine Stimme ist für sie unverkennbar. Auch den Hund des Hofes erkennen sie, er ist es, der die Tiere zusammentreibt.
Untereinander herrscht bei den Angusrindern eine strenge Hierarchie. Eine Mutterkuh steht ganz oben in der Rangliste, darauf folgen oft zwei weitere. Der Rest ordnet sich diesen unter, wobei auch Feindschaften zwischen einzelnen Tieren herrschen. Zur Individualisierung jeder einzelnen Kuh ist sowohl im Biobereich, als auch in der konventionellen Tierhaltung die Ohrmarke Pflicht. Die Herkunft nach Land, Bundesland und Hof ist darauf notiert, da jedes Tier beim Verkauf und Zukauf ab- bzw. angemeldet werden muss. Das Veterinäramt übernimmt dabei die stetige Kontrollfunktion.
Um die volle Gesundheit der Tiere zu gewährleisten bekommen sie Lecksteine, die mit Mineralien angereichert und ebenfalls biologisch sind.
Zudem trinkt eine Kuh pro Tag bis zu 100 Liter Wasser und das auch wenn sie nicht gemolken wird.

Wichtig für das Biozertifikat ist auch die Art der Haltung. Der übliche Spaltenboden, der wesentlich unkomplizierter ist, wird ersetzt durch Stroh, welches ebenfalls ein Bio-zertifiziert ist.
Dieses Privileg ist für alle Tiere von großem Komfort. So auch für einen ungeplanten Zuwachs von Schweinen, welche ihr neues Zuhause auf dem Hof fanden, nach dem ein paar Wanderer sie im Wald entdeckten. Die Tierliebe zeigt sich in der Führsorge für jedes einzelne Tier. Zum Beispiel auch verstoßene Jungtiere, die auf dem Hof von Hand großgezogen werden.
Außer den Kühen befinden sich noch Mastschweine, davon 3 Mutterschweine, die 10-12 Ferkel pro Wurf auf die Welt bringen, auf dem Hof. Diese sind im Bio-Bereich besonders teuer. Auf einer der vielen Streuobstwiesen ergänzen 30 Gänse die tierische Vielfalt des Hofes, die noch Hühner (legen 270-280 Tage im Jahr Eier), Pferde, einen Esel, Katzen und Hunde beinhaltet. Hauptsächlich zur Landschaftspflege grast eine Herde von 30 Schafen, ein paar Ziegen und ein Esel auf den Wiesen. Die Schafe sind eine Kreuzung aus dem vom Aussterben bedrohten Fuchsschaf und dem Fleischschaf. Das Fleisch wird hofintern verarbeitet, die Wolle jedoch nicht innerhalb des Betriebes verwertet. Die Ziegen fressen die Dornen und den Ampfer, der über die Wiesen wuchert. Sie dienen somit zur Landschaftspflege. Der Ertrag der Getreidefelder dient ausschließlich als Futter für die Tiere. Preislich ist das ein Vorteil, da Bio-Getreide über das doppelte teurer ist, als nicht zertifizierte Getreide.
Dazu wird der Ackerbau durch die Luzerne unterstützt, welche für reichlich Stickstoffansammlung im Boden sorgt. Darüber hinaus sind die Felder unkrautarm und bringen reichlich Ertrag.

Die meisten Verarbeitungen der Bio-Erträge finden direkt auf dem Hof statt. Bei der Fleischverarbeitung dürfen keine Zusätze, wie Geschmacksverstärker benutzt werden. Durch die traditionelle Wurstverarbeitung bei der das Fleisch warm gekuttert und dann gefroren wird, wird die Notwendigkeit von bindenden Phosphaten umgangen.
Ökonomisch zahlt sich das Prinzip der biologischen Landwirtschaft trotz der hohen Kosten aus. Man hat zwar nur die Hälfte an Ertrag in Relation zu konventionellen Betrieben, kann dafür jedoch auch ungefähr den doppelten Preis verlangen.

Um ein Bio-Zertifikat (EU-Bio, Bioland, Naturland, Demeter) zu erhalten, muss viel Kontrolle ausgeübt werden. Weder Tiere noch Futter dürfen aus dem konventionellen Bereich stammen. Gentechnik ist verboten und Mineraldünger darf kaum verwendet werden. Um das Einhalten, der Richtlinien zu gewährleisten, wird besonders die Buchhaltung gründlich kontrolliert. Der Verwaltungsaufwand dabei ist enorm, doch die große Transparenz der Betriebe sorgt für die Rechtfertigungspflicht der Siegel. Die regelmäßigen Betriebskontrollen sind angekündigt, dennoch werden davor oder danach oft unangekündigte Stichkontrollen gemacht. Der Biohof Schäfer wurde zuletzt im Juni kontrolliert, dennoch wurde ihm kurz darauf ein unangekündigter Besuch erstattet. Zusätzlich werden momentan Luftbilder des Hofes gemacht.

Für die Bauern ist dieser Kontrollwahn oft eine Belastung. Landwirt Schäfer wünscht sich mehr Freiheiten und Entscheidungsindividualität für seinen Hof. Ihm ist die biologische Landwirtschaft sehr wichtig. Die zunehmenden Nachfrage seiner Produkte und der allgemeine Trend zum Einkauf mit besonderer Beachtung der Siegel, bestärken Schäfer in seiner Arbeit.

 

 

 

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